Führung und Kultur: Drei Schritte zur erfolgreichen Umsetzung

Zu oft geht es in der Führung vor allem um Zahlen, Effizienz und Erfolg. Oft bleiben die Mitarbeiter dabei auf der Strecke. Auf Dauer werden sie sich deshalb instrumentalisiert und schlecht behandelt fühlen und nicht ihr gesamtes Potential an Motivation und Kreativität aktivieren.
Deshalb stellt sich die Frage: Was ist gute Führung? Im Kern geht es bei erfolgreicher Führung um die Umsetzung von:

1. Exzellenzkultur. Ein Unternehmen wird langfristig nur erfolgreich sein, wenn Prozesse, Produkte und Dienstleistungen qualitativ hoch, innovativ und nachhaltig sind. Der Kunde wird sich auf die Dauer nicht mit mittelmäßiger Qualität zufriedengeben. Exzellenz ist nicht nur kommerzielle, sondern auch für soziale Organisationen wichtig. Es geht um einen permanenten Prozess des Sich-Verbesserns, Entwickelnd und Sich-immer-neu-Erfindens.

2. Kultur der Wertschätzung. Exzellenz erreichen Sie nur mit Menschen, die motiviert sind, und denen Sie mit Wertschätzung begegnen. Wichtig sind vertrauen, Fairness, Sinnvermittlung, Transparenz. Das Gegenteil davon wäre Kälte, Rücksichtslosigkeit, Indifferenz und Instrumentalisierung von Menschen.

3. Führungskultur. An der Sitze von Organisationen, Abteilungen und Teams braucht man Personen, die glaubwürdig sind und durch Verantwortung, Vorbild und Verpflichtung überzeugen, also „ethikorientierte Führungspersönlichkeiten“. Sie sind nicht nur an Zahlen und Effizienz, sondern auch am Wohlergehen der Menschen interessiert. Sie stehen für die Werte Exzellenz einerseits und Menschlichkeit andererseits – aber nickt per Lippenbekenntnis, sondern im täglichen Handeln.

Fazit: Wir brauchen an der Führungsspitze keine Narzissten und Machiavellis, sondern Menschen mit hohen charakterlichen Eigenschaften, die sich einerseits der Exzellenz verpflichtet fühlen, für die andererseits aber auch der menschliche Umgang zentral ist. Um dies umzusetzen, brauche Sie Multiplikatoren, die Sie in der Philosophie und Kultur von Menschlichkeit unterstützen. Zum anderen brauchen Sie im Unternehmen eine offene Kultur, in der darüber reflektiert werden darf, was hinsichtlich Exzellenz und Menschenwürde bereits gut läuft und wie man die Dinge verbessern kann: eine offene, freundliche Streit- und Konfliktkultur, in der das Argument zählt und nicht die Hierarchie. Führen bedeutet einerseits, sich selbst, den Mitarbeiter und das Team zu führen, anderseits aber auch den Chef zu führen. Dazu können Sie sich fragen: „Was habe ich unternommen, damit mein Chef sich ethikorientiert verhält?“ Bei allen modernen Top-Trainern der Bundesliga ist genau dieses Prinzip zu beobachten. Der autoritäre, narzisstische, auf Befehl und Gehorsam setzende Führungsstil hat ausgedient – und zwar um so mehr, je höher der Bildungsgrad der Mitarbeiter ist, je höher die Komplexität der Aufgaben ist, je mehr es um Kundenorientierung geht. Die Aufgabe besteht darin, die richtigen Leute an die Spitze zu holen: Leute mit Charakter und Persönlichkeit, die für eine Kultur von Exzellenz und Menschenwürde stehen.

Quelle: Prof. Dr. Dieter Fey, Leiter des LMU Centers für Leadership & People Management; in „Berufsziel – Eine Verlagsbeilage in der Süddeutschen Zeitung“; 15.03.2014